Brunhilde Hansen: Mein Leben in der Bäckerei

Brunhilde Hansen: Mein Leben in der Bäckerei

„Weisst Du noch wie`s früher war…“ am 22. November 2017 mit Brunhilde Hansen (*1943) als Erzählerin

 

19 Kinder begrüßten die Erzählerin Brunhilde Hansen, geborene Schäfer, mit dem „Weisst Du noch wie`s früher war…“-Lied in unserer Heimatstube.
Die gelernte Bäckereifachverkäuferin stammt aus einer richtigen Bäckersfamilie. Ihr Vater und Großvater waren Bäcker, ihr Mann war Bäcker, eine ältere Schwester erlernte das Bäckerhandwerk und eine jüngere erlernte auch den Beruf der Bäckereifachverkäuferin. Heute führt ihr Sohn die Bäckerei Hansen in Leopoldstal mit seiner Familie weiter. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass ihr Mann eigentlich KFZ-Schlosser war als sie sich kennlernten und Autos reparierte. Aber mit der Liebe zu Brunhilde kam auch die Liebe zum Bäckerhandwerk und er erlernte dann diesen Beruf.

Brunhilde hatte extra für diesen Nachmittag eine frisch gebügelte, weiße, Spitzen-besetzte Schürze angezogen, so wie es früher in der Bäckerei für eine Verkäuferin üblich war.

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„Ihr wisst ja sicherlich, dass ein Bäcker morgens sehr früh aufstehen muss. 4.00 Uhr früh ist da schon spät. Manchmal reicht es aus, um 2.00 Uhr aufzustehen aber Samstags auf jeden Fall noch eher. Früher musste erst einmal der Ofen richtig angeheizt werden , mit Briketts. Der musste richtig heiß sein. Die Teigmaschine musste befüllt werden. Dann wurden als erstes die Brötchen gebacken, etwa 25 Minuten. Die ersten waren immer die dunkelsten. Dann Brot und Kuchen.“
Brunhilde hatte einen 2 Meter langen Brötchenschieber mitgebracht, mit dessen Hilfe ihr Vater früher die Brötchen in den Backofen hineingeschoben hatte. Das verlangt einiges Geschick, denn der Brötchenschieber ist sehr schmal. Die Kinder, mittlerweile ausgestattet mit einer echten Bäckermütze, probierten es gleich aus. Oh, das war gar nicht so einfach!

„Der Verkaufsladen musste um 6.00 Uhr hergerichtet sein. Das machten wir Frauen, obwohl wir auch gerne in der Backstube waren. Als ich noch zur Schule ging, hier in Leopoldstal, musste ich noch vor der Schule Brötchen austragen. In die Häuser, die auf dem Weg lagen. Ich hatte einen Sack Brötchen an meinem Fahrrad hängen und Tüten. Die Leute hatten dann schon Beutel an die Türen gehängt und ich musste die Brötchen hineinpacken. Da musste ich schon gut aufpassen, dass die nicht von einem Hund oder einer Katze gefressen wurden. Das kam manchmal vor und dann war das meine Schuld! Jeden Donnerstag musste ich Äpfel schälen und Äpfel schälen und Äpfel schälen! Dann mussten die auch noch kleingeschnitten werden. Für den Apfelkuchen. Und Platen putzen! Meine Freundinnen spielten oder waren im Freibad. Heute gibt es zum Glück Fettpapier für die Bleche.“
Brunhilde hat auch ein großes Holzbrett und ein gutes Messer dabei. Denn früher gab es keine elektrische Brotschneidemaschine, das Brot musste von Hand geschnitten werden. Sie schnitt das gute Brot mit der Hand auf. „Das macht heute kaum noch jemand.“ Jedes Kind wollte natürlich probieren! Dann zeigte Brunhilde die Anwendung einer alten Maschine zum Brot schneiden. Das Brot wird hineingelegt, das Messer angehoben, runtergedrückt und „klack“ ist das Brot geschnitten!
„Früher hat jeder viele Butterbrote mit zur Arbeit oder Schule genommen. Heute kommen die Kinder mit einem Euro und holen sich vor der Schule ein belegtes Brötchen bei uns in der Bäckerei“, bemerkt Brunhilde Hansen.

„Ich erinnere mich auch an den Campingplatz in Leopoldstal. Da waren viele Holländer und die brauchten auch Brot und Brötchen. Da musste ich morgens an die Zelte klopfen. Und die riefen dann immer „De Back kommt“!“

Wir erfahren, dass Brunhildes Enkelkinder Nils, Ben und Lilli auch in der Bäckerei mithelfen. Lilli zieht sich dann auch eine Schürze an und hilft beim Verkauf.
Im Verkaufsraum der Bäckerei gab es damals keine Registrierkasse. „Früher gab es keinen Taschenrechner. Wir mussten alles auf einem Block aufschreiben mit Bleistift und im Kopf zusammenrechnen. Ein Brötchen kostete 9 Pfennig. Was kosten fünf?“

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Brunhilde hatte noch ein ganz besonderes Gerät mitgebracht. Einen knallroten Kaugummi-Automaten! Da drinnen waren viele bunte Kaugummi-Kugeln, in allen Farben leuchteten die.

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„Kennt ihr sowas noch?“ 50 Pfennig einstecken, drehen, Klappe auf, entnehmen und rein in den Mund!
Klar, wollte das jedes Kind ausprobieren. Zum Glück hatte Brunhilde ihre alte Geldkassette mitgebracht in der genügend 50-Pfennigstücke waren!
„So ein Kaugummi-Automat hing früher bei uns vorm Haus. Wenn vom Einkaufen 10 Pfennig übrig waren, dann landeten die da drin!“, erzählt Brunhilde lachend.
„Jetzt gehen wir aber erstmal zum gemütlichen Teil über! Ich lade Euch ein zu Butterkuchen und Orangenlimonade!“
Den Butterkuchen hatte Brunhilde selber am Morgen gebacken. Mit Mandeln, Zucker und guter Butter! Lecker diese Nascherei! Im übrigen isst sie selbst immer wieder gerne Kuchen, lieber noch als Butterbrot!
Bei Familie Hansen wurde und wird jeden Samstag Nachmittag nach getaner Arbeit zusammen Kaffee getrunken. Dieses Ritual haben sie sich bis heute erhalten.

„So, jetzt gibt es aber noch etwas für uns zu tun!“ Brunhilde unterbricht die kleine Pause. „Ich habe immer gerne mit Marzipan gearbeitet. Marzipan-Kartoffeln könnt ihr ja schon seit August in den Supermärkten kaufen. Aber heute macht ihr die selbst!“

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Brunhilde schneidet ein Stück von dem dicken Marzipan-Laib ab, formt eine Rolle und schneidet sie in kleine Stücke..Dann werden diese Stücke zu Kugeln geformt. Die Kinder sind mit Leib und Seele dabei! Brunhilde hilft beim Wenden der Kugeln in Kakaozucker. Jedes Kind darf eine Portion mit nach Hause nehmen.
Das Marzipan wird bei Hansens immer noch selbst hergestellt aus Mandeln, Zucker und einem Schuss Kirschwasser!
Das war bis jetzt wirklich schon ein verzuckerter Nachmittag, doch es kommt noch süßer! Große Bonbongläser stehen auf dem Tisch, gefüllt mit allerlei Naschwerk, das es so in einer Bäckerei zu kaufen gab. Mause-Speck, Schokolade, rote Lollis, Heidesand und Kokosmakronen. Auch hier durften alle nochmal hineingreifen.

Lilli verteilt zum Abschluss noch an jedes Kind eine „Wundertüte“ für Zuhause.
Wir bedanken uns von Herzen bei der Erzählerin für diesen zuckersüßen Nachmittag!

Text: Marion Petringmeier

 

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